| |
|
TAZ 04.08.04
Kraft zum Leben
Gemeinsam geht alles besser. Empathie und Solidarität sind
der soziale Kitt (...). Aber die Welt ist ja gar nicht so und alle
haben sie ihren Kant mit seinem Imperativ vergessen: Da ist der
gemeine Rempler in der Oranienburger Straße (...) und noch
manche Fallbeispiele mehr, die bei 'Kraft zum Leben' anhand von
kurzen Dokufilmen Situationen schildern, in denen gesellschaftlichen
Gegner unsere individuellen Grenzen überschreiten. Und in der
Talk-Runde in der Z-Bar soll dann schon auch diskutiert werden,
wann man selbst zum Täter in diesem üblen Ellenbogenleben
wird.
Berliner Zeitung 06.08.04 - kra
Aktenzeichen XY total banal
Den Kopf hat sie gesenkt. 'Ich schäme mich. Ich habe meine
Freundin verraten', gesteht Dorothée Schwarte am Mittwoch
im Kino der Z-Bar, in der Bergstraße 2, in Mitte. 'Ich weiß
nicht warum ich es getan habe. Es war wie ein Sog, wie ein Strudel',
startet die Sozialpädagogin einen Erklärungsversuch. Das
Verbrechen: Gemeinsam mit einer anderen Freundin hat sie über
den Partner einer anderen Freundin gelästert. Dorothée
Schwarte macht sich zur Täterin, genau wie die drei anderen
Gäste des sogenannten Doku-Talks 'Kraft zum Leben'. Die vier
sitzen auf Barhockern vor einer Leinwand und analysieren nach kurzen
Dokumentarfilmen ihr eigenes alltägliches Fehlverhalten. Vom
gehässigen Lästern über arrogantes Verhalten Fremden
gegenüber, bis hin zur oberflächlichen Blitztherapie eines
Freundes in Not. 'Die Idee war Banalitäten des Alltags als
Kriminalfälle darzustellen', erklärt der Theaterwissenschaftler
Andreas Walter nach der Premiere seines neuen Projektes. Bekannt
ist Walter vielen durch seine mittlerweile Kult gewordene Schmusetiersoap
'Humana - Leben in Berlin'. Im neuen Projekt geht es allerdings
um wahre Fälle und echte Menschen. 'Die Leute auf der Bühne
spielen keine Rollen, sondern sich. Auch die Fälle sind selbst
erlebt,' erklärt Walter, der als Moderator in Erscheinung tritt.
Für die Darstellung werden Elemente aus der Kriminalserie 'Aktenzeichen
XY... ungelöst' genutzt. Die Fallbeispiele aus dem Leben der
vier Experten wurden nachgestellt und auf eine sehr trashige und
witzige Weise gefilmt und vertont. Die Gäste sind allerdings
nicht nur in Täter, sondern auch in Opferrollen zu erleben.
Von Pöbeleien Pubertierender auf offener Straße bis zu
Auseinandersetzungen mit dem Chef konnte sich jeder Zuschauer irgendwie
wiederfinden. (...)
|
|
 |
|